Nur wenige Tage vor dem offiziellen EU-Austrittstermin Großbritanniens am 29. März 2019 ist die Frage, wie es mit dem Brexit weitergeht, noch immer völlig offen. Das Szenario eines britischen Austritts aus der Europäischen Union ohne vertragliche Einigung wird zunehmend wahrscheinlicher.

 

Welche Folgen würden sich im Zusammenhang mit einem harten Brexit für in Deutschland tätige Briten und für EU-Bürger in UK in Bezug auf Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis ergeben?

 

Blicken wir zunächst auf die mögliche Situation der in Deutschland lebenden Briten:
Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Abschluss eines Abkommens würde sich die Stellung der betroffenen britischen Bürger dauerhaft ändern. Da Großbritannien bei einem EU Austritt ohne Vertragsvereinbarungen offiziell zum Drittland würde, bräuchten in Deutschland lebende Briten zukünftig einen Aufenthaltstitel und eine Arbeitserlaubnis in Form einer Blauen Karte EU, einer Aufenthaltserlaubnis, eines Visums oder einer Erlaubnis zum Daueraufenthalt EG.

 

Eine erforderliche sofortige Ausreise von in Deutschland lebenden britischen Staatsangehörigen wäre jedoch äußerst unwahrscheinlich. Den UK-Bürgern, die einen längerfristigen Aufenthalt in Deutschland planen, würde aller Voraussicht nach eine Übergangszeit von drei Monaten mit Verlängerungsoption durch die Bundesregierung gewährt. Innerhalb dieser drei Monate müssten sie dann jedoch einen Aufenthaltstitel bei der zuständigen Ausländerbehörde beantragt haben.

 

Kürzere Aufenthalte in UK oder in Deutschland oder Reisen von bis zu 90 Tagen:
Bei kürzeren Aufenthalten oder Reisen von Briten in bzw. nach Deutschland oder aber von EU-Bürgern in bzw. nach Großbritannien würde sich hingegen selbst bei einem No-Deal Brexit voraussichtlich zunächst einmal nichts ändern. Die EU hat Großbritannien eine gegenseitige Visa-Befreiung für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen vorgeschlagen. In diesem Fall würde nach wie vor ein gültiger Reisepass für die jeweilige Einreise ausreichen – vorausgesetzt, dass die EU und UK sich letztlich verbindlich auf diese gegenseitige Visa-Befreiung einigen.

 

Und wie sähe die Lage von in Großbritannien lebenden EU-Bürgern aus?
Zum 21. Januar 2019 ist in UK ein geöffnetes Antragsverfahren, das sogenannte EU Settlement Scheme, in Kraft getreten, welches EU Bürgern einen unbegrenzten Aufenthalt in Großbritannien gewähren kann. Hierbei wird unterschieden zwischen einem „settled status“ – dem vollen Aufenthaltsstatus und einem „pre-settled status“, welcher den EU-Bürgern einen vorläufigen Aufenthaltsstatus gewährt. Damit sind EU-Bürgern den Briten in allen Bereichen gleichgestellt und können daher auch in Großbritannien tätig sein.

 

EU-Bürger, die bis Ende 2020 mindestens fünf aufeinanderfolgende Jahre in Großbritannien gelebt haben und sich in diesem Zeitraum jeweils mindestens sechs Monate pro Jahr im Land aufgehalten haben, erhalten nach dem EU Settlement Scheme den vollen Aufenthaltsstatus, sofern sie ihren Antrag spätestens bis zum 31. Dezember 2020 gestellt haben.

 

Wer sich hingegen bis zum 31. Dezember 2020 noch keine fünf Jahre in Großbritannien aufgehalten hat, erhält zunächst einen vorläufigen Aufenthaltsstatus, der später, nach Erfüllung der Fünfjahres-Frist, in den vollen Aufenthaltsstatus umgewandelt werden kann.

 

Sollten sich EU-Bürger jedoch erst nach dem Brexit für einen Aufenthalt in Großbritannien entscheiden, würden sie fortan ein Visum sowie, bei erwünschter Erwerbstätigkeit, eine Arbeitserlaubnis beantragen müssen.

 

Noch ist nicht entschieden, wie der Brexit ausgehen wird. Für die international tätigen Unternehmen, die rund 106 000 in Deutschland lebenden Menschen aus dem Vereinigten Königreich und die etwa 3,5 Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger bleiben es vorerst unsichere Zeiten.